Franck Boston - Fotolia.com

 

 

 

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Mi

19

Jan

2011

Knickschwanz & Katzenausstellung???

Frage von Moni:

Wie hoch schätzen Sie die Möglichkeit für eine objektive richterliche Beurteilung einer bisher nicht ausgestellten jungen Maine Coon Katze mit einer gebrochenen Schwanzspitze (nicht sichtbar) am äußersten Ende des Schwanzes ein?

Die Diagnose der Röntgenbilder ergab, dass es sich 100%ig um eine Fraktur handelt, die sich die Katze wahrscheinlich in frühester Kindheit zuzog.

Auf Anfrage bei einer Richerin anläßlich einer Katzenausstellung wurde meiner Freundin mitgeteilt, dass die Katze sehr schlechte Karten bei der Bewertung hätte - trotz Vorlage eines ärztlichen Attestestes.

Stimmt das?

 

Junge Katze, Bildquelle: InaKaupat, aboutpixel.de Bildquelle: © InaKaupat, aboutpixel.de

Antwort:

In der Fehlerliste der Rassekatzen wird nicht unterschieden, ob es sich um einen erworbenen oder erebten Knickschwanz handel. Generell heißt es, dass der Richter den Titel einzubehalten hat, wenn die Katze einen Knick im Schwanz hat.

 

Ein Knickschwanz liegt dann vor, wenn die Schwanzwirbel nicht fortlaufend in einer geraden Linie verlaufen.

 

Man unterscheidet zwischen erworbenen und ererbten Knickschwanz.

 

Ein Knickschwanz, der durch einen Unfall entstanden ist, ist ein erworbener Knickschwanz. Er hat keinerlei Auswirkungen auf die Zucht.

 

Ererbte Knickschwänze findet man in Form von Schwanzabknickungen und -verkrümmungen mit knotenartigen Verdickungen durch Verschmelzung benachbarter Wirbel. Nicht selten sind mit dieser Erbkrankheit Degenerationen im Wirbelsäulenbereich verbunden. Das Krankheitsbild ist variabel. Ein oder mehrere Knicke können am Schwanzende, aber ebenso am Schwanzansatz auftreten.

 

Ein Knickschwanz muss sich nicht unbedingt gleich nach der Geburt zeigen. Er kann sich auch erst viel später bemerkbar machen, vielleicht erst dann, wenn die Katze schon fast ein Jahr alt ist. Das ist besonders tragisch, weil viele Katzen in diesem Alter schon gedeckt haben, oder weil sie bereits gedeckt wurden. Dann haben sie nämlich ihr rezessives Gen für den Knickschwanz bereits an den Nachwuchs weitergegeben.

 

Diese Art von Knickschwanz tritt dann in Erscheinung, wenn beispielsweise die Schwanzsehne eine unzureichende Länge aufweist, weil sie nicht richtig mitgewachsen ist. Der betroffene Züchter glaubt dann an die berühmte Geschichte mit der Tür und dem eingeklemmten Schwanz, weil die Katze als Jungtier schließlich einen korrekten, geraden Schwanz hatte. Folgen anschließend enge Verpaarungen, erkennt der Züchter recht bald, dass die Geschichte vom eingeklemmten Schwanz nur ein Märchen war.

 

Paart man eine Katze mit geradem Schwanz, die ein rezessives Gen für Knickschwanz trägt mit einer Katze, die auch ein rezessives Gen für Knickschwanz trägt, aber selbst einen geraden Schwanz hat, bekommen möglicherweise 25 % der aus dieser Verbindung resultierenden Kitten einen Knickschwanz.

 

Diese Theorie, die in verschiedenen Genetikbüchern beschrieben wird, ist offenbar nicht korrekt. Paart man zwei Katzen, von denen jedes Tier einen Knickschwanz hat, können nämlich auch Kitten ohne Knickschwanz resultieren. Diese Tatsache würde bedeuten, dass der Knickschwanz sich nicht autosomal rezessiv vererbt, sondern einem polygenen Erbgang folgt.

 

Wenn eine Katze einen Knickschwanz hat, wurde ihr dieser Defekt nicht nur von einem Elternteil vererbt, sondern von beiden.

 

Ich empfehle jedem Züchter, nicht nur Katzen mit Knickschwänzen kastrieren zu lassen, sondern auch die Trägertiere, die diese Katzen gezeugt haben.

 

Auf Rassekatzenausstellungen werden die Schwänze der Katzen von den Bewertungsrichtern besonders aufmerksam kontrolliert. Eine Rassekatze, die einen Knickschwanz hat, kann keinen Titel bekommen. So ein Tier ist zur Zucht nicht geeignet.

 

Trotz dieser strengen Maßnahmen - nicht zuletzt auch durch die Katzenvereine - wird diese Erbkrankheit wohl schlecht auszumerzen sein. Auch wenn alle Katzen mit Knickschwänzen kastriert werden, ist die Zahl der Merkmalträger schlecht einzuschätzen. Denn rezessive Gene können über viele Generationen unbemerkt weiter gegeben werden.

 

Nachfragen bei verscheidenen Tierärzten haben übrigens ergeben, dass anhand eines Röntgenbildes nicht eindeutig festgestellt werden kann, ob es sich um einen erworbenen oder ererbten Knickschwanz handelt.

 

Literaturhinweis: S. Willer, Erbliche und dispositionelle Krankhheiten, Fischer-Verlag

 

 

Anmerkung zum Attest:

Ein Attest für eine Katze, die keine Identifikationsnummer (Microchip, Transponder) trägt, kann auf viele Katzen passen. Der Züchter kann nicht beweisen, dass das beigefügte Attest zu der vorgestellten Katze gehört.

 

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Di

18

Jan

2011

Abessinier - Streifen an den Beinen?

Frage von Hanna:

Bei den Vorfahren meiner Abessinierkatze handelt es sich laut Stammbaum ausschließlich um Abessinier. Deshalb nehme ich an, dass sie reinerbig für die Abessinier-Zeichnung ist. Leider hat sie selbst - und manchmal auch ihr Nachwuchs - Streifen an den Beinen. In einer Katzenzeitung habe ich gelesen, das Reinerbigkeit von Tª Tª die Garantie für Streifenfreiheit ist. Wieso hat aber meine Katze - trotz Reinerbigkeit von Abessinier-Tabby - Streifen an den Beinen?

 

Bildquelle: fotolia.com Abessinier wildfarben, Bildquelle: © Anobis fotolia.com

Antwort:

Die Ticked-Tabby-Zeichung der Abessinier wird durch das über andere Tabby-Zeichnungen dominante Gen Tª in Verbindung mit dem Agouti-Gen erzeugt. Das Hochgestellte a hinter dem T für Tabby bedeutet "Abessinier", denn die Ticked-Tabby-Zeichnung wurde durch die Rasse der Abessinier bekannt.

Heute findet man die Ticked-Tabby-Zeichnung auch bei anderen Rassen. Abgesehen von Abessiniern und Somalis, ist die Ticked-Tabby-Zeichnung bei Orientalen eine sehr beliebte Zeichnungsvariante. Bei den kurzhaarigen Orientalen kann man die Ticked-Tabby-Zeichnung in ihrer ursprünglichen Form am besten sehen, denn zu dieser Zeichnungsvariante gehören auch Streifen an den Beinen, am Schwanz und am Hals.

Den Abessiniern und den Somalis sind die Streifen durch Selektion weggezüchtet worden, während man bei den Orietalisch-Kurzhaar-Katzen großen Wert auf diese Streifenzeichnung legt.

Paar man zwei ticked-tabby OKH, wird theoretisch reinerbiger Ticked-Tabby-Nachwuchs (TªTª) geboren, der natürlich auch Streifen an den Beinen, am Schwanz und am Hals aufweisen wird.

Reinerbigkeit für Ticked-Tabby bedeutet keineswegs Streifenfreiheit an den zuvor genannten Stellen.

Wenn das so wäre, hätten die Abessinier- und Somalizüchter diesbezüglich keine Probleme. Aber leider - für die Aby/Somali-Züchter und Gott sei Dank für die OKH-Züchter - verhält sich die Situation nicht so.

Die Steifenfreiheit bei Abessiniern und Somalis an den Beinen, am Schwanz und am Hals steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Reinerbigkeit von TªTª. Die Streifenfreiheit wird allein durch strenge Selektion erreicht.

 

Das war die "alte" Meinung nach dem englischen

Genetiker Roy Robinson.

Jetzt gibt es eine neue wissenschaftliche Studie,

die zu einem anderen Ergebnis führt.

 

 

NEU - NEU - NEU !  - NEUE STUDIE!

 

Eine wissenschaftliche Studie von Prof. Eduardo Eizirik 

aus dem Jahre 2009 hat zu neuen Ergebnissen geführt.

 

Prof. Eizirik stellte fest, dass der Abessinier-Phänotyp

nicht durch ein Tabby-Allel bestimmt wird,

sondern durch einen separaten Genort,

den er Ticked-Locus (Ti) nennt.

 

Das Gen für Abessinier-Zeichnung am Ticked-Locus

ist semi-dominant und hat eine epistatische Wirkung

über andere Tabby-Gene.

 

Den Genort für Tabbymuster,

wie Makerel- oder Bloched-Tabby,

nennt Prof. Eizirik Tabby-Locus (Ta). 

 

Genotyp für Abessinier-Tabby:

Ti TiA  / _  _           

Abessinier

oder "ticked"

reines Agoutifell

         

 

TiA Ti+  / _ _

Non-Abessinier

Streifen am Schwanz und an den

Beinen, ganz feine Streifen am Körper

bei sonst reinem Agoutifell

 

Für die Streifen am Schwanz und an den Beinen bei Abessiniern

soll folglich ein heterozygoter Ticked-Locus

 Ti Ti+

verantwortlich sein.

 

 

 

Genotyp für Mackerel- und Blotched-Tabbymuster:

 
Ti+ Ti+  /   TaM  _             

Mackerel Tabby

vertikale Steifen        

         

 

Ti+ Ti+  /

tab

 

tab

      
Blotched Tabby

Für mehr Informationen können Sie hier die Studie (in Englisch)

von Prof. Eizirik downloaden.

 

Prof. Eduardo Eizirik: Fell-Muster-Gene
Ticked-Locus und Tabby-Locus
Tabby.pdf
Adobe Acrobat Dokument [1.9 MB]
Download

 

 

Gerne hätte ich Kommentare, die diese Tatsache bestätigen.

Schreiben Sie mir: birgitta(at)katzengenetik.com

 

 

Mehr über Abessinier von Birgitta:

Rasseportrait und Informationen über Abessinier-Katzen.

 

 

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Mo

17

Jan

2011

"Turner Blue" und Foreign White

Frage von Karin:

Unter Siamesen- und OKH-Züchtern hört man manchmal den Ausdruck

"Turner-Blue". Können Sie mir erklären, was man unter "Turner-Blue" versteht?

 

Auf dem Foto ist keine Foreign White Katze, sondern eine OKH weiß, odd-eyed, Bildquelle: www.cat-world.com.au

Antwort:

Den Namen "Turner-Blue" kreierte die englische Siamzücherin Patricia Turner in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als sie ein Zuchtprogramm für Foreign White Katzen aufstellte.

"Turner-Blue" ist der Ausdruck für Siam-blaue Augen mit Tapetum lucidum. Gewöhnlich bezieht er sich auf Foreign Whites, Genotyp W-cscs.

 

Das Tapetum lucidum ist ein halbmondförmiges, lichtreflektierendes Feld im Augenhintergrund, in der oberflächlichen Schicht der Aderhaut. Die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen werden vom Tapetum lucidum verstärkt an die Retina weitergeleitet, so dass die Katze besonders bei Dunkelheit besser sieht.

Pat Turners Zuchtziel in den 60er Jahren war, eine weiße Variante der Siamkatze mit tiefblauen Augen zu schaffen. Es war bekannt, dass Siamesen niemals von Taubheit betroffen waren und deshalb glaubte man, dass weiße Katzen, die genetisch vom Siam-Background geprägt sind (cscs), nicht unter Taubheit leiden könnten.

Bei Foreign White Katzen besteht die Möglichkeit, die blauen Augen in zwei Gruppen aufzuteilen:

  • Das blaue Auge, das zum W-Gen (weißes Fell) gehört und kein Tapetum lucidum hat. Seine Farbe wird "weiß-blau" genannt.
  • Das blaube Auge, dass zum Allelpaar cscs (Siamzeichnung) gehört und fast immer ein Tapetum lucidum aufweist. Die Farbe nennt man "Siam-blau" oder "Turner-blau".

 

Die Anwesenheit des Tapetum lucidum kann mit Hilfe eines Ophtalmoskops auch durch den Laien relativ leicht festgestellt werden. Befindet sich im Augenhintergrund ein grün-gelbliches Feld, so besitzt dieses Auge ein Tapetum lucidum. Sieht man durch das Ophtalmoskop jedoch nur einen hellen weißlich opal wirkenden Augenhintergrund, fehlt die reflektierende Schicht, das Tapetum lucidum.

Das Tapetum lucidum ist ein gutes diagnostisches Kriterium, ein weiß-blaues Auge von einem Siam-blauen Auge unterscheiden zu können.

Eine Foreign White muss aber nicht unbedingt zwei Siam-blaue Augen haben. Sie kann auch ein weiß-blaues und ein Siam-blaues Auge oder zwei weiß-blaue Augen haben.

 

Das Ziel der Foreign White Züchter war früher, nur Katzen mit Tapetum lucidum zur Zucht einzusetzen. Leider ist dieses Zuchtziel im Laufe der Jahre nicht beibehalten worden. Im Augenblick des Zuchteinsatzes wissen die meisten Züchter nicht, ob sie Katzen züchten, die weiß-blaue ode Siam-blaue Augen haben. Mit bloßem Auge kann der Züchter die Situation nämlich nicht erkennen.

Eine ophtalmologische Untersuchung an 39 Foreign Whites hat ergeben, dass nur 30% die Turner-blaue Augenstruktur hatte. (M. Raadsveld, Het Syndroom Van Waardenburg Bij De Foreign White Kat, 1977, Faculteit de Diergeneesekunde, Utrecht):

  • 24 Foreign Whites hatten beiderseits kein Tapetum lucidum
  • 6 Foreign Whites hatten das Tapetum lucidum einseitig, F.W. odd-eyed,
  • 9 Foreign Whites hatten das Tapetum lucidum in beiden Augen.

 

Das Auftreten der Turner-blauen Augenstruktur bei den Foreign Whites ist nicht voraussagbar. Das weiß-blaue Auge wird durch Anwesenheit des dominanten W-Gens hervorgerufen, das bei Katzen eine 100%ige Penetranz in Bezug auf die weiße Fellfarbe hat, aber eine unregelmäßige Penetranz bezüglich der blauen Augenfarbe und Taubheit besitzt.

 

Die Selektion zugunsten der Turner-blauen Augenstruktur ist sicher eine sinnvolle Maßnahme, die prozentuale Taubheit zu reduzieren.

 

"Generell gibt es kein festes Muster bezüglich der Erblichkeit der weißen Fellfarbe in Relation zur blauen Augenfarbe und zur Taubheit.

Das Auftreten der blauen Augenfarbe und Taubheit ist leider nicht vorraussagbar".

(M. Raadsveld, Het Syndroom Van Waardenbur Bij De Foreign White Kat, 1977, Faculteit de Diergeneesekunde, Utrecht).

 

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Bildquelle: © Tony Campbell - Fotolia.com

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