Autorin: Birgitta Kuhlmey

Birgitta Kuhlmey
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Weiße Katzen

Schon im 2. Jahrhundert nach Christus wird im Talmund (Sammlung der Gesetze und der religiösen Überlieferungen des nachbiblischen Judentums) bekanntgegeben, "dass weiße Katzen mit blauen Augen als Haustiere ungeeignet sind; sie sind nämlich immer taub und nicht in der Lage, Ratten und Mäuse zu verjagen",  (Balt-de Jong, 1974).

Schwankart, Präsident des ersten deutschen Katzenclubs, meinte 1928, die blauäugigen weißen Katzen wären zur Hälfte taub (Wegner, 1995).

 

Bergsma und Brown stellen 1971 bei einer Untersuchung von 185 weißen Katzen fest, dass 43 % taub waren.

 

1973 untersuchte Mair 110 weiße Katzen und stellte bei 47 % der Tiere Taubheit fest.

 

Bei den von Bergsma und Brown untersuchten Tieren waren von den blauäugigen weißen Katzen 65 % ein- oder beidseitig taub; von den odd-eyed weißen Katzen waren 39 % taub und von den weißen Katzen mit pigmentierten Augen waren 22 % taub.

 

Die Untersuchungen von Mair haben ergaben, dass 85 % der blauäugigen weißen Katzen, 40 % der odd-eyed weißen Katzen und 16,7 % der Katzen mit pigmentierten Augen an Taubheit litten.

 

BKH, silver-shaded, Bildquelle: von der Lohmwiese.de
Nein, das ist keine weiße Katze! Es ist SILVER-SHADED, eine fast weiße Katze, nur die Haarspitzen sind gefärbt

Studie von Bergsma & Brown, 1971

Bergsma, D.R. & Brown, K. S. (1971)

White fur, blue eyes, and deafness in domestic cat. Journal of Heredity 62, 171 - 185

 

Anzahl der weißen Katzen: 185

Augenfarbe % Taubheit
blaue Augen 65 % taub 
odd-eyed 39 % taub
pigmentierte Augen            22 % taub

Studie von Mair, 1973

Mair, I.W.S. (1973)

Hereditary deafness in the white cat. Acta Otolaryngologica Suppl. 314, 1- 48

 

Anzahl der weißen Katzen: 110

Augenfarbe % Taubheit
blaue Augen 85 % taub
odd-eyed 40 % taub
pigmentierte Augen             17 % taub

 

 

Studie von Dejan Cvejic, 2009

Dissertation: Untersuchungen zum aktuellen Vorkommen angeborener Taubheit bei weißen Rassekatzen.

 

            Anzahl der weißen Rassekatzen (Genotyp Ww): 84

 

20,2 % der weißen Rassekatzen waren einseitig oder beidseitig taub.

 

Diese Untersuchungsergebnisse sollen Sie anregen, über die Problematik nachzudenken. Würden diese Ergebnisse auch auf unsere "modernen" weißen Katzen zutreffen? "Weiß" züchtet man heute schließlich nur heterozygot! Oder etwa nicht?

 

1962 hat man sich erstmals in England Gedanken über diese Angelegenheit gemacht. Ausgehend von der Tatsache, dass Taubheit bei blauäugigen Siamkatzen unbekannt war, sah man hier eine Möglichkeit, weiße Katzen mit Siam-blauen Augen zu züchten und kreierte die blauäugige Foreign White, eine weiße Siamkatze. Ob das Problem "Taubheit in Zusammenhang mit Blauäugigkeit und weißem Haarkleid" auf diese Art tatsächlich gelöst werden konnte, berichte ich später.

Das Auftreten der weißen Fellfarbe bei weißen Katzen kann unterschiedliche Ursachen haben:

  • fehlt Tyrosinase in den Melanozyten, in den Zellen, die zur Melaninbildung befähigt sind, liegt das an den Genen ca  oder c aus der Albinoserie,
  • treten Störungen bei der Melanoblastenwanderung und -differenzierung in den Anfangsschritten im hierarischen System der Pigmentierungen auf, sind die Verursacher entweder das W-Gen, das völlig weißes Fell produziert, oder das S-Gen, das für weiße Flecken im Haarkleid verantwortlich ist.

In der Rassekatzenzucht sind Katzen, deren weißes Fell durch rezessive Allele der Albinoserie ca und c determiniert wird, praktisch ohne Bedeutung, weil Tiere mit diesen Defektgenen entweder in zu geringer Anzahl vorhanden sind oder gar nicht gezüchtet werden. Unter den Rassekatzen sind weiß gescheckte Tiere und Katzen, die völlig weißes Fell aufgrund des W-Gens haben, jedoch sehr begehrte Vertreter.

 

W-Genort

W ist das Symbol für White (Weiß). Am W-Genort finden wir zwei Allele:

 

  • das rezessive Allel w für Nicht-Weiß, das alle Farben zum Ausdruck kommen lässt, die von anderen Genorten bestimmt werden und
  • das dominante Allel W, das über alle Farbgene epistatisch ist, die Farben "maskiert" und das Fell weiß erscheinen lässt.

 

Das W-Gen vererbt sich unabhängig von allen anderen Pigmentierungsgenen. Eine weiße Katze kann "unter" ihrem weißen Fell jeden erdenklichen Genotyp in puncto Fellfarbe oder Fellzeichnung tragen. Aufklärung darüber liefert der Nachwuchs.

 

Leider beschränkt das W-Gen seine Wirkungsweise nicht bei allen Tieren nur darauf, dass es weißes Fell produziert, bei einigen Tieren erzeugt das W-Gen Nebeneffekte in Form von

  • ein- oder beidseitig fehlender Irispigmentation und
  • ein- oder beidseitiger Gehörstörung

 

Die Tatsache, dass ein Gen sich nicht nur auf einen Effekt beschränkt, sondern auch Nebeneffekte verursachen kann, nennt man Pleiotropie.

 

Man sagt, dass das dominante autosomale W-Gen

  • eine Penetranz von 100 % bezüglich der weißen Fellfarbe und
  • unregelmäßige Penetranz in Bezug auf blaue Augenfarbe und Gehörstörungen hat.

 

Die Anzahl der weißen Katzen mit den genannten Nebeneffekten kann eingeschränkt werden, indem man Homozygotie am W-Genort vermeidet.

 

Bei Homozygotie treten Nebeneffekte nämlich deutlich häufiger auf als bei Heterozygotie.

Es ist die Aufgabe des Züchters darauf zu achten, dass weiß mal weiß Paarungen vermieden werden.

 

Das W-Gen zeichnet sich nicht nur durch Pleiotropie, sondern auch durch Epitasis aus.

Das W-Gen "überdeckt" die Wirkungen anderer Genorte. "Schädliche" Gene können deshalb oft nicht erkannt werden.

 

Einige Beispiele:

  • Siam-Gene können falsche Seheindrücke zwischen Auge und Gehirn vermitteln, wodurch das Schielen entsteht und auch Nystagmus (horizontales Augenflattern) hervorgerufen wird. Durch das W-Gen kann bei einer Katze mit weiß-blauen Augen ein homozygoter Genort für Teilalbinismus nicht ohne Weiteres erkannt werden.
  • Ein hoher (großer) Weißscheckungsanteil kann genauso wie das
  • W-Gen Gehörstörungen und Irisdepigmentationen hervorrufen. Durch das W-Gen können Katzen mit homozygotem Scheckungsgenort (SS), der für extrem hohen Weißanteil verantwortlich ist, nicht erkannt werden.

 

Weitere Informationen: 

http://www.vgl.ucdavis.edu/services/cat/DominantWhite.php

Introduction

Dominant White (DW) and White Spotting (Ws) are found across many breeds of cats and result from the insertion of a common “feline endogenous retrovirus” in the KIT gene. A full 7125bp insertion results in White Spotting while a partial insertion results in Dominant White. Only one copy of the full insertion is required for the White Spotting color pattern when the other allele is wild-type. While the extent of White Spotting is not definitively associated with copy number, anecdotal evidence suggests that two copies of the white spotting insert results in more white. The pattern of white spotting does not correlate with one or two copies and the gene/genes controlling the pattern of White Spotting remain unknown. Additionally, not all white spots or patterns result from these alleles as other genes can also have mutations that result in depigmentation phenotypes.

One or two copies of the partial insert results in the Dominant White (DW) phenotype regardless of the other allele. Dominant White is distinct from albinism (Ca) which results from a mutation in a different gene that has no known impact on hearing. While one or two copies of the DW allele will result in a white cat, varying degrees of hearing impairment are observed. In an extended pedigree, nearly 75% of cats with two copies were deaf and the remainder had at least partial hearing impairment. In cats with a single DW copy and a normal copy for the other allele nearly 60% had normal hearing, 21% were deaf and 17% had hearing impairment. In cats with one copy of DW and one copy of white spotting (Ws), 1/3 had normal hearing, 1/3 had impairment and 1/3 were deaf.

The VGL offers a DNA test for Dominant White and White Spotting mutations. Test results help clarify the genetic basis for depigmentation patterns in the cat. This test is recommended for multiple breeds as well as random bred cats.

 

VGL UCDAVIS

 

... In einem umfassenden Abstammungsnachweis ist dies das Resultat ...

 

75 % WW weiße Katzen sind taub

25 % WW weiße Katzen sind schwerhörig

 

60 % Ww weiße Katzen sind normal hörend

21 % Ww weiße Katzen sind taub

17 % Ww weiße Katzen sind schwerhörig

 

33,3 % (Ww + Ss) weiße Katzen mit Weißsscheckung sind normal hörend

33,3 % (Ww + Ss) weiße Katzen mit Weißscheckung sind schwerhörig

33,3 % (Ww + Ss) weiße Katzen mit Weißscheckung sind taub

 

Man kann es auch so ausdrücken:

Weiße Katzen ohne Weißscheckungsgen

Ww = 60 % normal hörend - 40% schwerhörig bis taub

 

Weiße Katzen mit Weißscheckungsgen

Ww/Ss = 30% normal hörend - 70 % schwerhörig bis taub

 

Oder: 

Weiße Katzen, die ein Gen für Weißscheckung haben (phänotypisch kann man das nicht sehen),

sind doppelt so oft von Schwerhörigkeit bis Taubheit betroffen, wie weiße Katzen ohne Weißscheckungsgen.

 

Zusammenfassung (einfach ausgedrückt):

 

Paare niemals eine weiße Katze mit einer Katze, die Weiß-Scheckung hat.

 

Unter weißen Katzen mit Weiß-Scheckungsgen findet man doppelt so vielen weiße taube Katzen wie unter weißen Katzen ohne Weiß-Scheckungsgen.

 

Hier kann man einen DNA Test machen lassen, ob eine weiße Katze Allele für Weißscheckung trägt:

 

http://www.vgl.ucdavis.edu/services/cat/

 

  

Weiße Katze, odd-eyed, Bildquelle: © yanikap, fotolia.com
Weiße Katze, odd-eyed

 

Roy Robinson:

 

"The W gene has multiple potential effects on coat and eye color. It is also associated with deafness."

 


Übersetzung:

Das W-Gen hat mehrere (mögliche) Auswirkungen auf Fell- und Augenfarbe. Es ist auch mit Taubheit verbunden.

 

Quellenangabe:

Roy Robinson´s Genetics for Cat Breeders & Veterinarians,

Fourth Edition, 2005,

ISBN 0 7506 4069 3

Seite 147

 

 

 

It is unfortunate that deafness may still remain a recurring problem. Where there is epistatic white, there will always be the potencial of deafness.

 

Übersetzung:

Es ist bedauerlich, dass Taubheit ein immer wiederkehrendes Problem bleibt. Wo es epistatisches Weiß gibt, gibt es immer die Möglichkeit von Taubheit.

 

Quellenangabe:

Roy Robinson´s Genetics for Cat Breeders & Veterinarians,

Fourth Edition, 2005,

ISBN 0 7506 4069 3

Seite 171

 

 

 

Das W-Gen und die Augenfarben

Die Augenfarbe wird nicht - wie die Fellfarbe - durch das eine oder andere Hauptgen, sondern polygen, durch mehrere Gengruppen, determiniert. Weiße Katzen können

  • pigmentierte Augen (pigmentiert wird hier benutzt als nicht-blau und umfasst alle bekannten Augenfarben wir Kupfer, Orange, Gold, Gelb, Grün Smaragdgrün und alle Schattierungen dazwischen)
  • blau Augen oder
  • heterochrome Irisfärbung (ein blaues und ein pigmentiertes Auge) haben.

 

Die Augenfarbe, so wie wir sie wahrnehmen, wird durch die Farbe der Iris bestimmt. Die Farbe der Iris wird im Wesentlichen durch das anwesende Pigment im Irisstroma, der Dicke vom Irisstroma und durch das anwesende Pigment im Irishinterblatt festgelegt. Junge Katzen haben immer blaue Augen, weil das Irisstromapigment noch nicht entwickelt ist.

 

 

Blaue Augen

Blaue Augen bei weißen Katzen kann man in verschiedene Gruppen einteilen:

  • Das blaue Auge, das durch die Anwesenheit der Allele cscs (Siam) entsteht, es hat keine Irisstromapigmentation und immer ein Tapetum lucidum (Bergma und Brown, 1971), es wird Siam-blau oder Turner-blau genannt.
  • Das blaue Auge, das zum W-Gen gehört, es hat keine Irisstromapigmentation, keine Funduspigmentation und kein Tapetum lucidum (Marian Raadsveld, 1977), es wir weiß-blaues Auge genannt.
  • Das blaue Auge, das zum S-Gen (Weißscheckungsgen) gehört, es ist identisch mit dem blauen Auge vom W-Genort, es hat keine Irispigmentation, keine Funduspigmentation und kein Tapetum lucidum.

 

Balinese, seal-point, Foto: (c) Birgitta, die Katze schielt, das räumliche Sehen ist möglicherweise beeinträchtigt
Balinese, seal-point, deutlich zu sehen: die Katze schielt - das räumliche Sehen ist möglicherweise beeinträchtigt, Foto: (c) Birgitta, 1979

 

Katzen werden blind und taub geboren.

Die Augen werden nach 7 bis 10 Tagen, 

die Ohren nach 6 bis 14 Tagen geöffnet.

 

Die volle Hörfähigkeit ist mit 4 Wochen und

die binokulare Sehfähigkeit ist mit 7 Wochen entwickelt.

 

Das Tapetum lucidum

Das Tapetum lucidum ist ein halbmondförmiges, lichtreflektierendes Feld im Augenhintergrund. Es wirkt wie ein Spiegel. Durch diesen "Spiegel"  trifft das einfallende Licht zweimal die lichtempfindlichen Zellen der Retina. Die Farbe vom Tapetum lucidum variiert von Gelb über Blau bis Blaugrün. Neugeborene Kätzchen haben noch kein Tapetum lucidum. Voll entwickelt ist es erst, wenn die Katzen ca. vier Monate alt sind. Durch das Tapetum lucidum können Katzen besonders bei Dämmerung besser sehen. Übrigens, diese reflektierende Schicht im Augenhintergrund haben fast alle Wirbeltiere, nur bei Schweinen und Affen (und Menschen) fehlt sie.

 

Hauskatze

Katzenaugen mit Tapetum lucidum reflektieren gelbgrün. Durch das Tapetum lucidum können Katzen bei Dämmerung und Dunkelheit besser sehen.

Katze, blue-point

Katzenaugen ohne Tapetum lucidum refektieren rot wie die Augen der Menschen. Menschen haben kein Tapetum lucidum.


Mehr Bilder mit Katzen ohne Tapetum lucidum.

 

 

Bei weißen Katzen mit unterschiedlicher Augenfarbe (ein blaues, ein pigmentiertes Auge) kann man bei bestimmten Lichtverhältnissen deutlich erkennen, dass das blaue Auge kein Tapetum lucidum besitzt. Bei diesen Tieren ist die Pupille des blauen Auges deutlich weiter geöffnet als die des pigmentierten Auges. Die Katze versucht, durch die größere Pupillenöffnung die fehlende Lichtreflexion auszugleichen.

 

Weiße Katzen können auch zweierlei blaue Augen haben, die unterschiedlichen Ursprungs sind: Das eine Auge besitzt ein Tapetum lucidum und ist Siam-blau aufgrund des cscs  Genotyps und das andere Auge besitzt kein Tapetum lucidum und ist weiß-blau aufgrund des W-Gens oder des S-Gens.

Ich denke dabei an Foreign White-Katzen (W-cscs ) und an Ragdoll-Katzen (cscs  S-). In vielen Fällen ist das weiß-blaue Auge heller als das Siam-blaue Auge. Es muss aber nicht so sein. Das Tapetum lucidum ist ein gutes Kriterium, weiß-blaue Augen von Siam-blauen Augen unterscheiden zu können, aber nur dann, wenn das Siam-blaue Auge auch wirklich ein Tapetum lucidum besitzt.

 

Bergman und Brown kamen 1971 zu dem Schluss, dass homozygote WW-Katzen immer blaue Augen haben. Außerdem stellten sie fest, dass aus weiß (blaue Augen) mal weiß (blaue Augen) Paarungen in den meisten Fällen blauäugige Kitten resultieren, dass jedoch auch Jungtiere mit heterochromer Irisfärbung und mit pigmentierten Augen geboren werden können. 1975 kam van de Meerendonk zum gleichen Ergebnis und wies zusätzlich darauf hin, dass aus zwei weißen Eltern mit pigmentierten Augen sowohl blauäugige als auch odd-eyed Kitten geboren werden können.

 

Weiße Katzen mit blauen Augen sind immer mit einer gewissen Portion Skepsis zu betrachten:

- die weiß-blauen Augen wegen des fehlenden Tapetum lucidum und

- die Siam-blauen Augen u.a. auch wegen der Beeinträchtigung des stereoskopischen (räumlichen) Sehens. (V. Schmidt, 1993).

 

OKH, weiß, odd-eyed, Bildquelle: cat-world.com.au
Weiße OKH, odd-eyed, Foto: cat-world.com.au
Foto: privat - Besitzer bitte melden!
Odd-eyed Katze mit Weiß-Scheckung und unterschiedlichen Augenfarben, blaues Auge mit größerer Pupille wahrscheinlich ohne Tapetum lucidum

Das W-Gen und Gehörstörungen

Das Krankheitsbild, das durch das W-Gen hervorgerufen wird, bezieht sich nicht nur auf die Sehschwäche der blauen Augen ohne Tapetum lucidum, es zeigt sich leider auch in Form von leichter Schwerhörigkeit bis völliger Taubheit. Die Schwerhörigkeit oder die Taubheit kann ein- oder beidseitig auftreten. Sie entsteht durch degenerative Veränderungen am Innenohr.

Schwerhörigkeit bzw. Taubheit entwickelt sich ab der dritten bis vierten Lebenswoche.

 

Untersuchungen von Searle (1968), Bergma und Brown (1971), Mair (1973) und van de Meerendonk (1975) ergaben, dass

  • die Mehrzahl der weißen tauben Katzen blauäugig sind,
  • odd-eyed Katzen weniger oft taub sind als blau-äugige,
  • unter weißen Katzen mit pigmentierten Augen signifikant weniger taube Tiere auftreten als unter blauäugigen oder odd-eyed Katzen.

 

Die Taubheit ist nicht rassebezogen, jedoch gibt es mehr langhaarige taube Tiere als kurzhaarige, weil weniger weiße kurzhaarige als langhaarige Katzen gezüchtet werden. Erbliche Taubheit vom W-Typ kommt bei farbigen (pigmentierten) Katzen nie vor.

 

1962 haben sich englische Katzenzüchter Gedanken darüber gemacht, wie man weiße blauäugige Katzen ohne Taubheit züchten kann. Unter Führung von Patricia Turner wurde ein Zuchtprogramm erstellt. Weil bei den blauäugigen Siamkatzen Taubheit unbekannt war, dachte man, dass man die erbliche Taubheit eliminieren könnte, indem man weiße Katzen in Kombination mit den rezessiven Allelen cscs  der Siamkatzen züchtete. Man nannte diese Katzen Foreign White. Die Theorie bezüglich der Taubheit sah in der Praxis etwas anders aus. Weiße Katzen mit cscs  Allelen können nämlich auch taub sein (Marian Raadsvelt, 1977), weil das Krankheitsbild, das die Gehörstörungen beinhaltet, nicht mit den Allelen für Teilalbinismus verbunden ist, sondern am W-Gen gekoppelt ist. Ob Foreign White-Katzen Siam-blaue Augen, weiß-blaue Augen oder zweierlei blaue Augen haben (ein Siam-blaues und ein weiß-blaues), kann man am besten mithilfe eines Ophtalmoskops erkennen. Schauen Sie sich in einem halbdunklen Raum durch ein Ophtalmoskop den Augenhintergrund durch die Pupillenöffnung an. Die meisten Tiere lassen sich das ohne Weiteres gefallen. Wenn Sie eine grünlich leuchtende Fläche entdecken, sehen Sie das Tapetum lucidum.

 

 

Literatur:

 

Hetty Berntrup, 1962-1992, 30 Jahre Foreign White Cats

 

Über "Turner Blue" und Foreign White Katzen - weiterlesen ...

 

Die Taubheit - eine Bagatelle?

Katzen haben das größte Laut-Repertoire aller Lebewesen, abgesehen vom Menschen. Wenn Katzen hauptsächlich in der Wohnung gehalten werden, bauen sie zu ihrem Menschen individuelle Arten der Kommunikation auf. Sie drücken ihre Wünsche in erster Linie durch ihre Stimme aus. Durch verschiedene Tonlagen und unterschiedliche Längen des Miausens verstehen sie, den menschlichen Partnern Wünsche und Stimmungen mitzuteilen.

 

Die volle Hörfähigkeit einer Katze ist mit vier Wochen entwickelt.

 

Taube Katzen miauen auch, wenn sie etwas wollen oder wenn ihnen unbehaglich ist. Aber die vielen unterschiedlichen Feinheiten der Stimme können sie nicht zum Ausdruck bringen. Meistens miauen sie außergewöhnlich laut und auffallend eintönig.

 

Die Lautgebung ist ein wichtiges Mittel zur inner- und zwischenartlichen Verständigung im Tierbereich. Katzen tauschen untereinander durch ihre Stimme wichtige Botschaften aus. Wenn taube und hörende Katzen zusammenleben, wird der Sozialkontakt entweder gestört, oder er kann erst gar nicht artgemäß aufgebaut werden. Hierzu einige Beispiele:

  • Drohlaute werden bei zu vertraulicher Annäherung zu spät wahrgenommen.
  • Das Gurren, das Subdominanz bedeutet, kann nicht erkannt werden.
  • Der Drohgesang der Kater, der zur Feststellung der Rangordnung untereinander dient, kann nicht wahrgenommen werden.
  • Das Schnurren der Mutterkatze, das zur Optimierung der Mutter-Kind-Bindung beiträgt, kann von tauben Kitten nur schwer bemerkt werden.
  • Der Hilferuf der Kitten kann von der Mutterkatze nicht gehört werden.

 

Taube Katzen entwickeln sich oft zu ängstlichen Persönlichkeiten und brauchen extreme Behütung. Ausgang bedeutet für sie nicht selten den Tod, denn sie hören weder den drohenden Hund noch das herannahende Auto.

 

Leider gibt es noch viele Katzenliebhaber, die diese Behinderung verharmlosen und als Bagatelle bezeichnen. Sie glauben, dass eine taube Katze nichts vermissen kann, was sie niemals gekannt hat. Andere Katzenfreunde besitzen schon jahrelang weiße Wohnungskatzen und bemerken gar nicht, dass die Tiere taub sind. Liegt es an der schlechten Beobachtungsgabe der Katzenbesitzer oder liegt es daran, dass Katzen wahre Anpassungskünstler sind?

 

Fest steht, dass seit über 130 Jahren weiße Katzen gezüchtet werden´, der pleiotrope Effekt des W-Gens jedoch nicht eliminiert werden konnte.

 

Wir wollen nicht vergessen, dass die Türkisch Angora Katzen über viele Jahre nur mit weißer Fellfarbe gezüchtet werden durften. In den renomierten deutschen Katzenvereinen haben die farbigen Türkisch-Angora-Katzen erst 1993 den Champion-Status erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie verpönt. Weiß mal weiß Paarungen waren die Regel und nicht die Ausnahme. Heute spricht am verständlicherweise über solche Angelegenheiten nicht gern, denn heute züchtet man bewusster. "Moderne" weiße Katzen sind heterozygot weiß (Ww), denn weiß mal weiß Paarungen sind in fast allen Katzenvereinen untersagt. Sicherlich würden wissenschaftliche Untersuchungen über Katzen der neuen weißen Generation anders ausfallen, als die bekannten Untersuchungen aus den 70er Jahren, als man noch eifrig weiß mal weiß kreuzte, um möglichst viele weiße Kätzchen zu bekommen.

 

Eine weiße Katze kann genotypisch alle Farben und Muster tragen - einschließlich Weißscheckung. Das weiße Haarkleid stellt keine neue Farbe dar, es maskiert lediglich alle Farben, die ohne das W-Gen phänotypisch zum Ausdruck gekommen wären. Den Genotyp einer weißen Katze kann man daher nur mit W- darstellen.

 

Aus zwei homozygot weißen Katzen  (WW mal WW) können natürlich nur weiße Katzen (WW) geboren werden. Aus zwei heterozygot weißen Katzen (Ww mal Ww) resultieren weiße (WW und Ww) und pigmentierte Katzen (ww).

 

Seal silver tipped point Katze, Foto: Christiane
Auf dem Foto sieht man eine seal silver tipped point Katze, geb. 11.05.2013. Diese Katze ist fast weiß, sie hat aber nicht das schädliche W-Gen, das Taubheit verursachen kann (Foto: Christiane, 2013, mywaycats.de).

 

Das Kreuzungsquadrat zeigt die Genotypen der Nachkommen, die aus zwei heterozygoten weißen (Ww) Katzen resultieren.

 

WW = homozygot weiße Katzen

Ww = heterozygot weiße Katzen

ww = pigmentierte Katzen

 

 

 

Genotypen

 

    W     w
    WW     Ww  
w   Ww   ww

Pleiotropie und Epistasie machen das W-Gen zu einem gefährlichen Werkzeug für Züchter.

 

Einige Katzenzuchtvereine haben Regeln erstellt, dass alle weißen Zuchtkatzen und Zuchtkater

  • durch eine audiometrische Untersuchung beweisen müssen, dass keine Gehörstörungen vorliegen,
  • durch eine ophthalmologische Untersuchung beweisen müssen, dass in jedem blauen Auge ein Tapetum lucidum liegt,
  • Identifikationsnummern besitzen müssen, damit sie nicht verwechselt werden können.

 

Diese Maßnahmen sind kritisch zu betrachten, weil sie Sicherheit vorgaukeln.

 

Tatsache ist, dass weiße Katzen, die hören können,

weiße Jungtiere bekommen können,

die taub sind oder schlecht hören können.

 

Wenn einer weißen Katze durch eine Untersuchung bescheinigt wird, dass sie hört, heißt das noch lange nicht, dass diese Katze auf jeden Fall weiße hörende Jungtiere zur Welt bringen wird.

 

Wer das glaubt, der hat die Wirkung des W-Gens nicht verstanden.

 

Untersuchungen können die Taubheit nicht eliminieren, denn 

die Taubheit wird zusammen mit dem W-Gen vererbt.

 

Jedes Mal, wenn das W-Gen vererbt wird, kann auch Schwerhörigkeit oder Taubheit vererbt werden - selbst dann, wenn die Eltern hörend sind.

 

Wenn man feststellt, dass die Katze taub ist, kann kein Medikament die Taubheit rückgängig machen.

 

Weiterführende Literatur:

 

Roy Robinson, White Cats

 



Weiße Katzen mit Weiß-Scheckung


Ob eine weiße Katze mit W-Gen zusätzlich auch noch Allele für Weiß-Scheckung hat, kann man testen lassen.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema "Dominantes Weiß und Weiß-Scheckung" von UCDAVIS Veterinary Genetics Laboratory


Quelle des Texts in kursiver Schrift: UCDAVIS (2015)

Dominant White & White Spotting

Introduction

Dominant White (DW) and White Spotting (Ws) are found across many breeds of cats and result from the insertion of a common “feline endogenous retrovirus” in the KIT gene. A full 7125bp insertion results in White Spotting while a partial insertion results in Dominant White. Only one copy of the full insertion is required for the White Spotting color pattern when the other allele is wild-type. While the extent of White Spotting is not definitively associated with copy number, anecdotal evidence suggests that two copies of the white spotting insert results in more white. The pattern of white spotting does not correlate with one or two copies and the gene/genes controlling the pattern of White Spotting remain unknown. Additionally, not all white spots or patterns result from these alleles as other genes can also have mutations that result in depigmentation phenotypes.

One or two copies of the partial insert results in the Dominant White (DW) phenotype regardless of the other allele. Dominant White is distinct from albinism (Ca) which results from a mutation in a different gene that has no known impact on hearing. While one or two copies of the DW allele will result in a white cat, varying degrees of hearing impairment are observed. In an extended pedigree, nearly 75% of cats with two copies were deaf and the remainder had at least partial hearing impairment. In cats with a single DW copy and a normal copy for the other allele nearly 60% had normal hearing, 21% were deaf and 17% had hearing impairment. In cats with one copy of DW and one copy of white spotting (Ws), 1/3 had normal hearing, 1/3 had impairment and 1/3 were deaf.

The VGL offers a DNA test for Dominant White and White Spotting mutations. Test results help clarify the genetic basis for depigmentation patterns in the cat. This test is recommended for multiple breeds as well as random bred cats.

 

Zusammenfassung:

Bei weißen Katzen (Genotyp W/w), die zusätzlich ein Gen für Weiß-Scheckung haben (Genotyp S/s), sieht das Ergebnis der Untersuchungen so aus: (W/w S/s)

1/3 ist normal hörend

1/3 ist taub

1/3 ist schwer-hörig

 

Leider kann man einer weißen Katze äußerlich nicht ansehen, ob sie ein Gen für Weiß-Scheckung trägt.

Sicherheit erhält man nur durch einen Gentest.

 

BKH silver-shaded, Bildquelle: von-der-lohmwiese.de
BKH silver-shaded, Jungtier - eine Alternative zur Weißzucht mit dem W-Gen

Nachtrag (02/2012) zum Artikel WEISSE KATZEN:

 

Die Studien von Bergsma & Brown und Mair aus den 70er Jahren liefern keine detaillierten Informationen, ob die untersuchten weißen Katzen homozygot oder heterozygot am W-Genort waren.

 

Wikipedia: Liste der betroffenen Merkmale zum Gutachten "Qualzucht".

 

In der Studie von Cvejic aus dem Jahre 2009 haben alle 84 weiße Rassekatzen den Genotyp Ww, sind also heterozygot am W-Genort.

Bei über 20 % der untersuchten weißen Rassekatzen wurde festgestellt, dass sie taub sind.

 

Hier ist die Zusammenfassung der Dissertation (in kursiver Schrift) von Dejan Cvejic aus dem Jahre 2009:

 

 

 

Untersuchungen zum aktuellen Vorkommen angeborener Taubheit bei weißen Rassekatzen

 

Ziel dieser Arbeit war es, objektive Daten zum Vorkommen angeborener Taubheit bei weißen Rassekatzen zu erheben. Hierfür wurden die Gehörtests - Click-Evoked Brainstem Auditory Evoked Response (BAER) - von 84 reinrassigen weißen Katzen ausgewertet, die zur Beurteilung des Hörvermögens im Rahmen der Zuchtzulassung in der Medizinischen Kleintierklinik vorgestellt wurden. Die Katzen gehörten zehn verschiedenen registrierten Katzenrassen an. Das Hörvermögen wurde mit einer objektiven elektrodiagnostischen Methode, den click-evozierten Hirnstammpotentialen (BAER) für jedes Ohr untersucht. Insgesamt wurden 20,2 % der untersuchten Katzen entweder als ein- oder beidseitig taub beurteilt. 10,7 % der Katzen waren beidseitig und 9,5 % einseitig taub. Die tauben Katzen gehörten sechs verschiedenen Rassen an: Türkisch Angora, Britisch Kurzhaar, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Perser, Foreign White. Männliche und weibliche Katzen waren gleichermaßen betroffen (p = 0,851). Eine Taubheit wurde bei 44,4 % der Katzen mit zwei blauen Augen, bei 20,0 % der Katzen mit einem blauen Auge und bei 18,9 % der Katzen mit einer anderen Augenfarbe beobachtet. Bei Katzen mit blauen Augen wurde häufiger eine Taubheit festgestellt (p = 0,040). Katzen mit zwei blauen Augenhatten ein größeres Risiko für eine ein- oder beidseitige Taubheit (Odds ratio = 5,75) als Katzen anderer Augenfarben.

 

Die hier vorliegende Studie zeigt, dass einseitige und beidseitige Taubheit immer noch häufig bei reinrassigen weißen Katzen in Deutschland vorkommt; trotz der Empfehlungen des Zuchtverbandes, das Züchten weißer Katzen zu vermeiden und der Tatsache, dass das deutsche Tierzuchtgesetz eine Zucht, die zu erblich bedingten Defekten führt, nicht erlaubt.

 

 

2013

Die Tierärztliche Fakultät der LMU, Ludwig-Maximilians-Universität München, startet ein Projekt "Taubheit bei Katzen mit Weißscheckung".

 

Katzenzüchter sind eingeladen, sich an der Studie zu beteiligen.

 

Weiterführender Link

 

 

 

 

 

Prof. Dr. W. Wegner schreibt über die Resultate einer fast hundertjährigen Forschung bezüglich der Taubheit weißer Katzen.

Prof. Dr. W. Wegner: Defektzucht bei Katzen - ein aktuelles, prinzipiell wichtiges Urteil
Prof. Dr. W. Wegner: Defektzucht bei Katzen - ein aktuelles, prinzipiell wichtiges Urteil; Quelle: Katzen Magazin, 1994, RORO-Press Verlag AG, Zürich
Prof.W.Wegner.pdf
Adobe Acrobat Dokument 2.3 MB

Seal silver tipped point, Bildquelle: Christiane
Seal silver tipped point Katze, eine fast weiße Katze ohne W-Gen mit blauen Augen. Foto: Christiane, mywaycats.de

Wie züchtet man "weiße" Katzen mit blauen Augen ohne W-Gen?

Foto links:

Silver-shaded-point Katze mit blauen Augen aufgrund der cscs Gene für Teilalbinismus, kein schädliches W-Gen. Foto: Christiane

Foto rechts:

Weiße Katze mit schädlichem W-Gen, odd eyed, ein Auge blau - mit deutlich weiterer Pupille, wahrscheinlich kein Tapetum lucidum, das andere Auge bernsteinfarben. Das blaue Auge ist blau aufgrund des W-Gens. Foto: fotolia.de

 

Um den Problemen (Schwerhörigkeit, Taubheit) der Weißzucht aus dem Wege zu gehen, kann man den Farbschlag Silver-Shaded oder Chinchilla (Silver tipped) wählen.

Katzen in SILVER-SHADED (bzw. silver tipped) haben ein nahezu weißes Haarkleid, nur die Haarspitzen sind gefärbt.

 

Die hellste Variante ist FAWN-SILVER-SHADED (bzw. fawn-silver-tipped) -

Genotyp: A-blblC-ddTiATiA II mit Widebanding.

 

Eine andere Variante ist LILAC-SILVER-SHADED (bzw. lilac-silver-tipped) -

Genotyp: A-bbC-ddTiATiA II mit Widebanding.

 

 

Kombiniert man die Silver Shaded, Chinchilla bzw. Silver Tipped Farbschläge mit cscs-Genen für Siamzeichnung (Teilalbinismus), bekommt man fast weiße Katzen mit blauen Augen ohne schädliches W-Gen.

 

 

Allerdings muss beachtet werden, dass zusammen mit den Genen für Teilalbinismus auch Strabismus (Schielen) und Nastigmus (Augenzittern) vererbt werden können. Der Züchter hat darauf praktisch keinen Einfluss. Schielen und Augenzittern sind wahrscheinlich die Folge des Melaninmangels während der Embryonalentwicklung.

 

Empfehlenswert ist es nicht,

Teilalbinismus als Farbaufheller einzusetzen.

 

Silver-shaded Katzen sind fast weiße Katzen und haben keine Probleme mit Schwerhörigkeit oder Taubheit. Jedenfalls ist bis jetzt (2012) über dieses Thema nichts bekannt.

 

Der sehr helle Farbschlag CREAM-SHELL-CAMEO wäre eine weitere Alternative, um Katzen zu bekommen, die fast weiß aussehen.

Diesen hellen Phaomelanin-Farbschlag mit Teilalbinismus in Form von Siamzeichnung zu vereinen, ist wegen der der Gefahr von Strabismus und Nastigmus sicherlich nicht zu empfehlen.

 

Generell ist zu sagen, dass jede Art von Pigmentmangel nicht unbedingt ein Zuchtziel sein sollte.

 

Zuchten mit extremen Pigmentmangel sollten

auf jeden Fall vermieden werden.

 

 

 

Weiße Katze (W-Gen) bekommen leicht einen Sonnenbrand an den Ohrmuscheln. Foto: Irena Scheer, Schweiz, weiße Katze Bianconegro aus dem Tierheim
Weiße Katzen (W-Gen) bekommen leicht einen Sonnenbrand an den Ohrmuscheln. Foto: Irena Scheer, Schweiz, weiße Katze Bianconegro aus dem Tierheim.

 

Ein Vergleich der Farbschläge Chinchilla und Weiß.

 

Chinchilla (silver tipped)

Auf den beiden oberen Fotos der Bildergalerie (unten) sehen Sie Katzen mit der Farbvarietät Chinchilla.

Diese Katzen tragen kein schädliches W-Gen.

 

Die Augenumrandungen, die Nasenumrandung, die Lippen, die Punkte in den Schnurrhaarkissen und die Fußballen sind schwarz.

Die Spitzen der Haare sind etwa 1/8 schwarz gefärbt.

 

Ist der Genotyp der Katze nicht schwarz, so wie bei den beiden Katzen auf den oberen Fotos, sondern blau, so ist die unbehaarte Haut natürlich blau, hat also die Farbe, die im Genotyp festgelegt ist.

 

Ist der Genotyp cream (cream cameo oder shell cream cameo), wird man optisch eine fast weiße Katze sehen - mit rosa Fußballen, rosa Augenumrandung, rosa Nasenumrandung und creamfarbenen Haarspitzen.

Diese Katzen tragen kein schädliches W-Gen.

 

Weiß

Auf den beiden unteren Fotos in der Bildergalerie (unten) sehen Sie Katzen der Farbvarietät Weiß.

 

Diese Katzen tragen das schädliche W-Gen,

das (bei etwa 20 % der weißen Katzen) Schwerhörigkeit bis Taubheit verursachen kann.

Bei diesen weißen Katzen sind die unbehaarten Hautpartien wie Augenumrandungen, Lippen, Nase und Fußballen rosa.

Das Harrkleid ist rein weiß - auch die Haarspitzen.

 

 

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.

 

 

Mein Artikel "WEISSE KATZEN" ist ein verkürzter Teil aus der Serie

"Vererbung der Fellfarben und Fellmuster bei Katzen".

Die Serie habe ich für das Magazin "Our Cats"  in den Jahren 1996/1997 geschrieben.

 

Die komplette Serie können Sie auf meiner privaten Website lesen:

http://www.birgitta-online.com/katzen-genetik-fell/

 

Mehr Informationen über die Taubheit bei weißen Katzen lesen Sie in der

Dissertation von Cvejic, Dejan:

Congenital sensorineural deafness in client-owned pure-breed white cats (2009)

 

Saskia Kristina Hogreve, 2003

Untersuchungen zum Hörvermögen von Neuweltkameliden unter besonderer Berücksichtigung der Irispigmentierung

 

Darf man weiße Katzen züchten? Was sagt das Gesetz?

Gutachten zur Auslegung § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzucht)

 

Weitere interessante Meinungen zur Weißzucht erfahren Sie im

Katzen-Forum.net

Katzen Community Kitticat

Messybeast

 

Auf der Webseite von Ackenheil Anwaltskanzlei www.tierrecht-anwalt.de habe ich DAS (in kursiver Schrift) gefunden:

 

"Katzenzucht | Strafrecht : Qualzucht

Die Betroffene züchtete weiße Perserkatzen.

Bei einer Rassekatzenausstellung machte der vom Veterinäramt mit der Überwachung beauftragte Zeuge die Betroffene darauf aufmerksam, dass die Züchtung weißer Perserkatzen verboten sei, weil bei der Paarung weißer Perser Taubheit auftreten könne.

Die Betroffene ließ einen Hörtest nicht zu und erhob Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Zeugen.

Bei einer späteren Züchtung der Betroffenen wurde eine weiße Katze mit einem blauen und einem orangefarbenen Auge gefunden.
Nach gutachterlicher Stellungnahme eines Sachverständigen entsprach bei dominanten weißen Katzen das Ausmaß des Hörverlustes dem Grad der Depigmentierung in Auge und Innenohr.

Katzen, die nicht hören, konnten weder artgerecht leben, noch konnten sie ohne Leiden leben.

Ein Leiden lag deshalb vor, weil die Katze ihr Leben lang merkte,

dass sie völlig anders als ihre Artgenossen war.

 

§ 11b TierSchG stellte lediglich auf die Gefahr ab, dass erbkranker Nachwuchs gezüchtet wurde.

 

Diese Gefahr hatte die Betroffene ganz bewusst in Kauf genommen, nicht nur aus Liebhaberinteresse, sondern auch, um auf Ausstellungen prämiert zu werden.


Das AG hat die Betroffene wegen vorsätzlicher Qualzüchtung schuldig gesprochen und zur Geldbuße von 500 DM verurteilt.

So entschied das Amtsgericht Kassel
626 Js 11179.8/93; NStE Nr.1 zu § 11b TierSchG"
Tierschutz Hessen

 

 

BKH, silver tipped, Foto: www.wicki-silvia.ch
BKH, Silver Tipped Point, fast weißen Katze mit blauen Augen aufgrund der Gene cscs für Teilalbinismus, diese Katzen haben kein schädliches W-Gen. Foto: www.wicki-silvia.ch

 

 

Laut Tierschutzgesetz - Zuchtverbot für ...

Auszug Gutachten, 2005

 

 

Rasse

 

Merkmale

(Leitsymptome)

Zucht

(Verbot bei Verstoß nach § 11b des Tier- schutzgesetzes)

Manx, Cymric

Kurzschwänzigkeit bzw. Schwanz- losigkeit (Verkürzung des Schwan- zes bis hin zur Stummelschwän- zigkeit oder lligen Schwanzlo- sigkeit)

Verbot

Türkisch Angora, Perser, Foreign White, Orientalisch Kurzhaar, Russian White, Van- Katze u. a.

Farbaufhellungen des Felles und der Iris (weißes, bzw. vorwiegend weißes Fell, variable Augenfarbe)

Verbot für Tiere, deren weiße Fellfarbe durch das Gen W determiniert ist

 

Verbot für Tiere mit Hör- oder Sehstörun- gen

Scottish Fold, Highland Fold, Pudelkatze

Anomalien des äußeren Ohres (Ohrmuscheln nach vorne abge- knickt)

Verbot

Rex Katzen (Devon-, Cornish-, German Rex u. a.); Sphinx

Anomalien / Abweichungen des

Haarkleides

(gestörtes Haarwachstum bis hin zur nahezu lligen Haarlosigkeit, Verkürzung bzw. Fehlen der Tast- haare)

Verbot für Tiere, bei denen die Tasthaare feh- len

diverse und Maine Coon,

„Superscratcher“

Polydaktylie

(überzählige Zehen an den Pfoten)

Verbot

Perser Katzen, Exotic Shorthair, u. a.

Brachyzephalie, großer, rundlicher Kopf, kräftige Backenpartie, kurze breite Nase, ausgeprägter Stop

Verbot für extrem kurznasige Tiere

= oberer Rand des Nasenspiegels liegt über dem unteren Augenlidrand

 

Verbot für brachyzephale Katzen mit Ge- burtsstörungen oder Anomalien im Bereich des Gesichtsschädels (Oberkiefer- verkürzung, Verengung der Tränennasen- kanäle oder / und der oberen Atemwege etc.)

gehäuft bei brachyzephalen Ras- sen

(z. B. Perser)

Entropium

(Einwärtsdrehen des Augenlid- rands)

Verbot

 

 

Die meisten Webseiten verfügen über Statistikseiten der Keyword-Recherchen (Suchwörter, die ins Suchfeld eingegeben werden) - so wie diese Seite.

 

Die Website katzengenetik.com wird mehrere Tausend Male im Jahr in Bezug auf Taubheit bei weißen Katzen konsultiert (angeklickt).

 

Diese Daten dokumetieren, dass das Thema "Taubheit bei weißen Katzen" hochaktuell ist.

 

Birgitta Kuhlmey
Birgitta

Meine Meinung zur Weißzucht:

 

Die Zucht weißer Katzen mit W-Gen ist eine Gewissensfrage.

 

Hier geht es um Ethik, Moral, Anstand und Respekt vor dem Tier.

Es geht nicht darum, ob der Gesetzgeber die Weißzucht verbietet oder nicht.

 

Solange es prozentual unter weißen Katzen mehr Taubheit gibt als unter gefärbten Katzen, steht für mich die Zucht von weißen Katzen nicht zur Debatte.

 

Es gibt andere Hobbys als die Weißzucht - lieber Hobbyzüchter!

Taubheit bei weissen Katzen mit W-Gen
Taubheit bei weissen Katzen mit W-Gen
Bildquelle: fotolia.com

 

 

Mehr Informationen über weiße Katzen mit W-Gen,

mit Genen für Teilalbinismus (Siamabzeichen) und

blauen Augen finden Sie in meinem Artikel

 

"Tuner Blue und Foreign White"

Bildquelle: fotolia.com

 

 

 

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Ich frage mich nur WARUM?

 

Gerne höre ich Ihre Meinung über diesen Artikel.

   

Bitte benutzen Sie dieses Formular.

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

 

 

Ich erhalte eine beeindruckende Anzahl an E-Mails von

Katzenliebhabern mit weißen Katzen,

vermutlich aufgrund des Artikels über weiße Katzen.

An dieser Stelle veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen eingehende Mails von Katzenliebhabern mit weißen Katzen.

 

25.08.2012

 

E-Mail von: Carola Noah

rola6262@web.de

 

Text:

Nachricht: "wir haben eine weisse Katze sie ist aber nicht reinrassig wir haben festgestellt das sie taub ist wir verständigen uns mit Handzeichen und Fussaufstampfen es Geht ganz gut"

 

Meine Antwort:

Danke, Carola - für den Tipp.

 

 

Mail vom 16.09.2013

 

E-Mail: Gelbkec

 

Nachricht: Hallo,

 

Ich finde ihren Artikel sehr aufschlussreich und finde es gut, dass sie auf die ethischen Fragen, die hinter solch einer Zucht stehen, eingehen. Auch dass hier darauf hingewiesen wird, dass es für die Katze nicht egal ist ob sie hört oder nicht, es stellt schließlich eine gravierende Behinderung für das Tier dar.

Wir haben eine weiße Maine Coon Katze, sie ist auch gehörlos. Wir haben sie von einem Pärchen ünernommen, die sie nicht mehr behalten wollten.

Wir haben leider große Probleme mit ihr. Anfangs war es mit der Taubheit gar kein Problem, aber seit einigen Wochen schreit sie zeitweise ununterbrochen, wenn niemand in ihrer Nähe ist oder sich niemand mit ihr beschäftigt. Da sie sehr laut und andauernd schreit (auch nachts) ist dies auf die Dauer sehr belastend. Ich habe mich nach Büchern im Umgang mit gehörlosen Katzen umgeschaut, aber leider nichts gefunden. Vielleicht haben sie Buchtipps oder auch allgemein Tipps zum Umgang mit gehörlosen Katzen?

 

Vielen Dank und viele Grüße, Claudia

 

Vielleicht hat jemand den einen oder anderen Tipp für die anfragenden Katzenliebhaber.

Bitte senden Sie Ihre Informationen über mein Kontakt-Formular.

 

 

 Mail vom 29.05.2014 


Hallo, unsere weiße katze mit gelben Augen ist sehr empfindlich gegen Sonneneinstrahlung. Sie bekommt einen Sonnenbrand an den Ohrspitzen, manchmal an der Nase bzw. an den Augen. Die Ohrspitzen sind schon ganz vekrustet und man merkt, dass es ihr weh tut. Sie kratzt sich immer, wodurch es noch schlimmer wird. Wie können wir sie schützen, vorbeugend etwas tun? Ist etwa Vitamin-D-Mangel schuld? Danke im Voraus für ihre Antwort, VG Conny

 

Mail vom 21.06.2014


Nachricht: Hallo Birgitta,

ich bin kein Züchter. Ich habe mir Weihnachten 2013 eine Katze zugelegt, da diese ins Tierheim sollte. Es ist ein 1 jähriger weißer odd eyedKater und er ist taub. Ich glaube es geht ihm ziemlich gut , er ißt viel, hat viel Spielzeug womit er auch gern spielt. Aber seit einem viertel Jahr miaut er ständig und laut. Muß ich ihn kastrieren lassen, damit er nicht mehr so miaut. Oder ist das Quatsch? Er ist eine Wohnungskatze und ich habe noch einen 14 jährigen Dackel.

 

 

Mail vom 10.03.2016

 

von Nadine Grubitzsch

 

Unser weißer und tauber Kater war ein Geschenk vom Opa.

Für uns und MAX ist es eine Qual. Er tut uns leid, denn vor der Tür warten zwei hörende Katzenndamen, die Bundesstraße und jede Menge andere gefährliche Tiere ... die er nicht hört, bzw. nicht mitbekommt.

 

Psst - nicht weitersagen: Laut einer Studie von 2009 sind mehr als 20 % der weißen Rassekatzen taub. Aber wieviel Prozent ihrer Züchter wollen "blind" sein? - Bildquelle: © pressmaster, fotolia.com
Weiße Katzen? Das muss nicht sein! Silver-shaded ist "weiß" genug